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Und dann war ich zurück im Jetzt

Für einen kurzen Moment habe ich die Zeit angehalten. Alles um mich herum wird bewegungslos. Ich spüre das Blut durch meine Arme und Beine fließen. Fühle, wie die frische Luft meine Lungen füllt und wieder verlässt. Ich nehme einen weiteren Atemzug und bin im Jetzt. Da war ich schon lange nicht mehr, doch jetzt habe ich es geschafft.

In all der Hektik des Alltags, in all diesen Situationen, vor diesen Bergen an Aufgaben ist es meist schwer, das Wesentliche zu sehen und so verliere ich mich immer wieder in Ängsten und Gedanken über potentielle Zukünfte, die vermutlich niemals eintreten werden. Ich freue mich über einen Moment und bin gleichzeitig traurig, dass er vorbei gehen wird. Ich denke an die Vergangenheit, die sich nicht mehr umschreiben lässt und doch überlege ich wieder und wieder, was ich hätte anders machen können. So oft, dass ich mich manchmal fühle, als würde ich in drei Parallelwelten gleichzeitig leben.

Seit Wochen, vielleicht schon Monaten habe ich unter stechenden Kopfschmerzen gelitten. Nicht nur der Schmerz war eine Last, sondern auch die Befürchtung, dass etwas nicht mit mir stimmt. Tatsache ist leider, dass die Kopfschmerzen mich zunächst nicht dazu gebracht haben, mich mehr zu besinnen, sondern noch mehr Ängste geschürt haben. Was ist, wenn etwas nicht mit mir stimmt? Was, wenn mich diese Schmerzen mein Leben lang begleiten werden? Vielleicht habe ich wieder eine Hirnhautentzündung… Die Gedanken haben mich soweit gelähmt, dass ich den Gang zum Arzt nicht über mich gebracht habe und angefangen habe, regelmäßig Tabletten zu nehmen, bis die Dosis angefangen hat, mir Sorgen zu bereiten.

You have the answer. Just get quiet enough to hear it

– Pat Obuchowski

Tief im Inneren habe ich vermutlich von Anfang an geahnt, was ein großer Faktor meines Unwohlseins ist, aber für die Lösung brauchte ich eine Weile, dabei war sie eigentlich so simpel: Ich muss mein Bewusstsein trainieren. Selbstverständlich ist es wahnsinnig anstrengend und überfordernd, wenn der Verstand gleichzeitig in drei Zeiten herumschwirrt und dabei keinen klaren Gedanken zu ende fassen kann. Meine Konzentration hat durch all die Sorgen, wirren Ideen und Erinnerungen extrem gelitten und verlernt, sich auf eine Sache zu fokussieren.

Es gibt zwei Dinge, die mir extrem geholfen haben, wieder ins jetzt zurück zu finden: Die erste ist Meditation. Zufällig habe ich eine App entdeckt und ohne große Erwartungen ausprobiert. Das war meine erste Meditationserfahrung und vermutlich das erste mal seit Monaten, dass ich voll und ganz auf mich und auf das jetzt konzentriert war. Es braucht eine Weile, ehe man es schafft, den Verstand so zu trainieren, dass er nicht mehr abdriftet, aber diese wenigen Minuten beruhigen mich oft für den ganzen Tag und helfen mir, konzentriert zu arbeiten und besser einzuschlafen.

Meditation can change the brain’s structure in just 8 weeks. It also increases grey matter in parts of the brain associated with learning.

Die zweite Sache ist das malen. Wer sich schon einmal bei völliger Stille vor ein blankes Blatt Papier gesetzt und einfach drauf los gemalt hat, weiß, was ich meine. Für eine Weile bin ich mit meinen Gedanken voll und ganz bei dieser einen simplen, schaffenden Tätigkeit und beobachte, wie die Farbe langsam in das Blatt einzieht und eins wird. Wie Farben sich vermischen und neue Nuancen bilden, wie das Bild sich langsam verändert und zu etwas neuem wird. Diese zwei Sachen haben mein Leben ein kleines bisschen verbessert und meine Kopfschmerzen um einen Großteil reduziert. Ganz ohne Tabletten. Vielleicht die günstigste Eigentherapie, die es gibt.

15 Comments

  • 1 Monat ago

    bei mir sind es die Schlafstörungen, die mich immer wieder aus der Bahn werfen. aber tatsächlich hat mir hier auch Meditation geholfen, es deutlich zu verbessern. und schreiben. schreiben hilft immer

    hab ein wunderschönes Wochenende,
    ❤ Tina von http://liebewasist.com




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  • 1 Monat ago

    Das hast du echt mega schön geschrieben! Ja, es ist wirklich wichtig, im Hier und Jetzt zu leben und nicht ständig zu versuchen, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig zu leben. Dass dich das auch körperlich ziemlich belastet hat, kann ich mir gut vorstellen. Freut mich aber, dass es dir mittlerweile wieder besser geht.

    Ganz liebe Grüße,
    Krissi von the marquise diamond
    http://www.themarquisediamond.de/




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  • 1 Monat ago

    Mir fällt es häufig beim einschlafen auf, dass sich meine Gedanken um 1000 Dinge kreisen. Vielleicht sollte ich auch mal Meditation ausprobieren, um das mal ein wenig zu üben runter zu kommen.
    Liebst, Marie




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  • 1 Monat ago

    Im Moment bereitet mir der Stress auf der Uni auch einiges an Kopfzerbrechen. Bei mir hilft ganz viel Musik, Tee und Kerzen und ganz viel Schlafen. Über die Vergangenheit denke ich eigentlich selten nach, das habe ich mir zum Glück abgewöhnt – ich denke mir einfach, dass mich alles was ich je gemacht habe, meine Gegenwart gestaltet und dass schlechte Entscheidungen durchaus Gutes in sich targen, auch wenn mans vielleicht am Anfang nicht immer sieht.
    Sorry fürs bisschen zu philosophisch werden haha
    Hab einen tollen Sonntag!
    Lena xx

    thefandfclub.blogspot.co.at




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  • 4 Wochen ago

    Wunderschöne geschrieben!<3
    http://www.blogellive.com




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  • 4 Wochen ago

    Ich habe mir aus demselben Grund (endloses Zerdenken aller Situationen) ein paar Bücher zum Thema Grübeln ausgeliehen. Das hat mir sehr geholfen, weil so bestimmte Muster entlarvt werden und ich jetzt deutlich früher erkenne, wenn ich meine Energie wieder für sinnlose Gedanken verschwende.
    Das beruhigt irgendwie.
    Und ja, malen hilft immer.

    Liebe Grüße
    Sabrina




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    • Sarah
      4 Wochen ago

      Hallo liebe Sabrina,

      die Grübel-Bücher klingen sehr interessant.
      Kannst du mir da vielleicht eins empfehlen?
      Mein Freund ist nämlich Grübelkönig und vielleicht würden ihm solche Bücher auch helfen.

      Gruß,
      Sarah




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  • Julia
    4 Wochen ago

    Das mit den drei parallelwelten kann ich so unterschreiben! Ich lebe gleichsam total in der Vergangenheit und mache mir zugleich sorgen um die Zukunft. Was ist nur so schwer daran, im jetzt zu leben? Das mit der Meditation muss ich unbedingt ausprobieren! Danke für diesen Post!




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  • 4 Wochen ago

    Danke für den Tipp, liebe Jana. Ich hoffe sehr, dass deine Kopfschmerzen aufhören und auch nicht mehr wiederkommen. Das mit der App werde ich auch mal testen, denn ich neige auch dazu mich in Sachen reinzusteigern und nur das Negative zu sehen. So sollte man nicht durch den Tag gehen….

    Liebe Grüße
    Katja

    http://www.cestlevi.blog | Follow me on Instagram




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  • 4 Wochen ago

    Hey Jana,
    ich traue es mich auch kaum jemandem zu erzählen, dass ich das auch fast täglich mache, weil Meditation ja noch immer einen etwas komischen Hippie-Beigeschmack hat.
    Aber ohne das kurze Zu-Mir-Kommen wäre ich wie ein wirrer Chaos-Flummi, und davon hat ja keiner was

    Danke dass du Meditation thematisierst und damit hoffentlich bald vom Stigma befreist!

    Liebe Grüße
    Maggie




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  • 4 Wochen ago

    Ich kenne diesen Zustand zu gut, bei mir ist es das Gedankenkreisen, das mich häufig wahnsinnig macht. Wenn gar nichts mehr hilft, dann gieße ich mir eine Kanne Johanniskrauttee auf und nehme in akuten Tagen Lasea mit Lavendel. Das sind beides komplett pflanzliche Beruhigungsmittel, die nicht abhängig machen und bei nervösen Unruhezuständen mega gut helfen:)




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  • 4 Wochen ago

    Es freut mich echt, dass es dir jetzt wieder was besser geht. Das klingt ja leider echt gar nicht gut. Ich vergesse aber auch manchmal einfach auf meinen Körper zu hören und im Stress bekomme ich immer super Nacken-und Kopfschmerzen. Tatsächlich mache ich in letzter Zeit dann immer etwas Yoga und es hilft wirklich.
    LG
    Brini
    http://www.brinisfashionbook.com




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  • 4 Wochen ago

    So ein schöner Beitrag. Vielen Dank für deine Gedanken.

    Viele Grüße und eine fantastische Woche.
    Celine von http://mrsunicorn.de




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  • 3 Wochen ago

    Sehr schön geschrieben! Ich habe auch schon auf eigene Faust probiert zu meditieren, da mir auch hunderte von Gedanken immer auf ein Mal im Kopf schwirren und 99% davon nur unnötige Ängste sind, die dir das Leben erschweren, leider ist es gar nicht so einfach, mal so 2 Minuten an nichts zu denken. Ich werde die App mal ausprobieren, danke!
    Die Bilder sind übrigens auch wunderschön.




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  • Samama Khan
    5 Tagen ago

    Such a perfect look!
    Regards.
    MiiKey MiiSport C Blue Wireless




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