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Manchmal ist da nichts

Da ist nichts. Seit Tagen starre ich auf meinen Bildschirm, will meine Gedanken sortieren und etwas schreiben. Irgendwas schaffen, vielleicht etwas zeichnen, was bedeutendes los werden. Ich kann nicht.

Ich glaube, ich bin ein relativ kreativer Mensch. Kreieren gehört tatsächlich zu meinen absoluten Lieblingsbeschäftigungen, egal ob es sich um Bilder, Texte oder Fotos handelt. Aber hier ist das Problem, das wohl jeder Mensch kennt, der einen kreativen Beruf ausführt: Es geht einfach nicht immer. Und gerade schwirren meine Gedanken so wirr und unvollständig durch meinen Kopf, dass ich sie gar nicht fassen kann. Im Hintergrund wächst ein bedrohlicher Berg an Zeitdruck (Ich habe Tagelang nichts gepostet, ich muss jetzt etwas machen) und an Selbstzweifeln (Ich werde nie einen Pulitzer-Preis gewinnen, mit dem was ich hier mache und ach komm, wenn du mal ehrlich bist, gibt es Millionen Menschen, die besser fotografieren, schreiben und zeichnen können als du).

Und all diese Gedanken blockieren mich so sehr, dass selbst das halten eines Pinsels oder einer Kamera zu einer großen Überwindung wird. „Ich muss nur noch auf Veröffentlichen klicken, der ganze Post ist fertig geschrieben. Ich kann es einfach nicht. Ich weiß nicht einmal wieso“ hat mir eine Freundin letzte Woche erzählt. Ich kann auch nicht erklären, wieso diese Dinge, die wir seit Jahren machen manchmal so eine große Bürde darstellen, aber ich kenne das Gefühl. So genau.

„Ich bin doch keine Maschine, ich bin ein Mensch aus Fleisch und Blut“ singt ein Sänger, von dem ich nicht einmal ein großer Fan bin und doch ist der Satz so wahr. Das Automatisieren von kreativen Prozessen funktioniert einfach nicht und wenn man sich in einer Welt bewegt, in der alles scheinbar so reibungslos abläuft, dann macht einem das schnell mal Angst. Und wenn man von Angst eingenommen ist, dann kann man nicht mehr kreativ arbeiten, weil alles, an das man denkt nicht mehr schöpferische Möglichkeiten, sondern Versagensängste und Worst-Case-Szenarien sind. Es ist manchmal ein Teufelskreis.

Vielleicht ist es bei mir gerade besonders schlimm, weil ich einige neue Wege betreten habe und ich nicht genau weiß, wie und ob ich am Ende wirklich irgendwo ankomme. Vielleicht muss man sich sein Selbstbewusstsein mit jeder Aufgabe neu erarbeiten. Aber ich schreibe seit 8 Jahren diesen Blog und zumindest habe ich schon ein paar Erfahrungen mit diesen Tiefschlägen erlebt. Die gehen vorbei. Wirklich.


Auszeit

Je nachdem wir tief man im Kreatief steckt, ist es manchmal nicht einfach, wieder herauszufinden, aber es klappt am Ende in der Regel von ganz allein. Das ist wirklich hart für Selbstständige und Schaffende, aber tatsächlich seid auch ihr keine Roboter. Pause machen ist manchmal unumgänglich und diese Blockaden sind der beste Hinweis, dass es dringend Zeit dazu ist. The Show must go on – ich weiß und es ist doof, mehrere Tage nichts zu posten oder einen Auftrag nicht anzunehmen, aber gerade für diese Situationen gibt euch ein finanzielles Polster die Sicherheit, die einem als Selbstständiger so oft fehlt. Vielen hilft es, nebenbei in einem Café oder auf einem Markt oder ähnliches zu arbeiten, um Abstand vom eigentlichen Job zu bekommen und mehr in Kontakt mit anderen Menschen zu treten. Einfach mal eine ganz andere Arbeit auszuführen kann unheimlich befreiend sein.

Konsumieren

Die Einsicht, dass wir das Rad nicht neu erfinden können, hilft meist schonmal ungemein. Trotzdem gibt es jeden Tag so viele neue Erfindungen, Werke, Texte die das Licht der Welt erblicken. Die können wahnsinnig inspirierend sein, uns auf neue Ideen bringen oder an etwas erinnern, das wir schon längst vergessen haben. Ich habe in den letzten Tagen konsumiert, bis meine Augen zu fielen. Ich habe Youtube Videos zu alternativen Maltechniken angeschaut, Malkurse besucht, Fotografietutorials angeschaut, mich durch halb Pinterest gescrollt und so viele Eindrücke inhaliert, wie ich nur konnte. Ich habe alles in Stichpunkten aufgeschrieben, was mir dabei durch den Kopf geht.

Positive Gedanken

Man kann sich auch mal verkriechen und sich selbst bemitleiden, aber mit negativen Gedanken und Pessimismus kommt man aus dem Kreatief nicht raus, deshalb sollte man sich an irgendeinem Punkt fragen, ob das was man da denkt nicht ein bisschen subjektiv ist. Natürlich ist man keine Maschine, aber das ist auch kein anderer Mensch und das verlangt auch niemand. Am Ende wird doch meist wieder alles gut und die vergangenen Jahre geben einem meistens recht. Neue Wege sind in erster Linie Chancen und nicht Risiken und versuchen sollte man es doch immerhin. Was hat man schon zu verlieren?

5 Comments

  • 2 Wochen ago

    diese Phasen kennt wohl jede kreative Person … sie kommen und gehen. aber das ist eben auch das Gute an ihnen, denn wenn man sie akzeptiert und sich eine Auszeit gönnt, verschwinden sie auch meistens einfach wieder so …
    ich finde du machst es ganz richtig.

    viel Entspannung und eine schöne Woche,
    ❤ Tina von Liebe was ist
    Liebe was ist auf Instagram




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  • 2 Wochen ago

    Das hast du wirklich toll geschrieben. Du hast so recht – manchmal geht einfach gar nichts, man kann nichts produzieren, nichts erstellen, nichts schreiben. Oder wenn, dann ist man nicht zufrieden damit. Diese Phasen gibt es, sie sind ganz normal, menschlich, jeder hat sie. Aber wie du schreibst: Irgendwann kommt man da raus und dann läuft es wieder. Man hat wieder Ideen, kann diese auch umsetzen und ist auch wieder zufrieden damit. Wenn dann das nächste Kreatief kommt muss man einfach an das letzte Mal denken, als nach einiger Zeit auch wieder alles gut wurde. Wir sind eben alle keine Maschinen und das ist auch gut so.

    Ganz liebe Grüße,
    Krissi von the marquise diamond
    http://www.themarquisediamond.de/




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  • 2 Wochen ago

    Da kenne ich gerade so. Bei mir ist das, Ideen sind viele, aber motorisch synchroniert nicht. Alles nur im Kopf. Ich meine, zu Ausdrücken ist es schwierig und es tut weh so. Wünsche alles wieder und weiter gut bei dir. Dieser Beitrag ist auch gelungen. LG




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  • 2 Wochen ago

    Oh man ja, schlimm sind auch die Tage wo man morgens vor lauter Gedanken und To Do Zeug nicht richtig schlafen kann, voll früh wach ist, sich 500 Sachen vornimmt und es am Ende nicht mal schafft sich was anzuziehen außer nem Bademantel und dafür aber 300 blödel Netflix Serien geschaut hat.




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  • 2 Wochen ago

    Ein so schöner Beitrag! Die Kreativität braucht halt manchmal etwas Zeit.
    Ich lege einfach immer los. Alles weitere kommt dann meistens

    Liebe Grüße und noch eine traumhafte Woche.
    Celine von http://mrsunicorn.de




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