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10 Dinge, die ich über Vietnam lernte

Ich glaube, wir haben eine Wohnung. Ich kann es noch nicht ganz glauben – es war irgendwie zu einfach. Aber wir haben gestern den Mietvertrag unterschrieben und ich hab in der Aufgregung völlig vergessen, diesen Post online zu stellen: Unsere Reise nach Vietnam ist mittlerweile einige Wochen her. Vergessen werde ich unseren Aufenthalt wohl nie. Alles ist so unglaublich anders, dass wir uns teilweise wie Aliens gefühlt haben. Teilweise wirkt es, als sei die Zeit stehen geblieben, manchmal muss man erst einmal begreifen, was es für ein land bedeutet, kommunistisch geprägt zu sein. Wir hatten eine tolle Zeit, sind oft aus dem staunen nicht mehr rausgekommen und deshalb teile ich mit euch meine random Facts über Vietnam, die ich mir während meiner Reise aufgeschrieben habe:

Hupen gehört zu Vietnam wie das rauschen zum Bach. Die Hupe wird hier als universelles Kommunikationsmittel eingesetzt. es kann wahlweise „Hallo, ich bin auch noch da“, „ich möchte gerne abbiegen“, „ich fahre jetzt um die Kurve“, „ich fahre an dir vorbei“ oder „ich stehe jetzt schon ganz schön lange vor einer roten Ampel bedeuten“. Allerdings wird auch gerne mal gehupt, wenn man der Meinung ist, man hätte schon länger nicht mehr gehupt.

Eine gute Party ist nichts ohne Karaoke. In Vietnam reiht rich Karaokebar an Karaokebar und jeder Vietnamese, der etwas von sich hält, hat eine Karaoke Anlage Zuhause stehen. Jetzt ist es nicht so, dass in diesem Land überdurchschnittlich viele Leute gut singen können, das hält aber sicher niemandem davon ab, es einfach zu tun. So hört man in den Dörfern links und rechts aus einiger Entfernung unregelmäßig Laute aus hochgedrehten Lautsprechern und kommt selten aus einer Karaokebar wieder heraus, ohne selbst irgendwas ins Mikrofon gejohlt zu haben, wenn man sie erstmal betritt.

Der Highway wird nicht nur zum Autofahren genutzt, denn Vietnamesen sind grundsätzlich sehr praktisch veranlagt. So sieht man immer vereinzeltes Rindvieh am Straßenrand grasen, einige Leute spazieren gehen oder mit dem Fahrrad aus der nächsten Ausfahrt um die Ecke cruisen.

Polizisten scheinen dort nicht den allergrößten Respekt zu besitzen. Als einer einige Rollerfahrer aus dem Verkehr ziehen wollte, rissen diese sich einfach mit Gewalt wieder los und fuhren lachend davon. Wenn es darum geht, ein Verbrechen aufzunehmen, winkt man lieber gleich ab. Zum Glück sind die meisten Vietnamesen so freundlich und es passiert selten etwas wirklich schlimmes.

Man liebt dort Fleisch. Mindestens Hühnchen ist in so gut wie jeder Speise und selbst in den Großstädten mussten wir mehrere Restaurants wieder verlassen, weil es einfach nichts gab, was kein Fleisch beinhaltete und gerade wenn ihr auf dem Land seid, solltet ihr ein bisschen aufmerksam sein. Dort ist es durchaus normal, Hundefleisch zu essen und wir haben auch einige Touristen getroffen, die auf ihrer Tour ausversehen Hundefleisch gegessen haben. Die Pho Suppe, die dort so berühmt ist, haben wir während unseres Aufenthalts nur einmal gegessen. Wenn man dann aber ein Restaurant findet und bestenfalls noch einen Local dabei hat, gibt es auf jeden Fall einen Riesenhaufen Gemüse.

Die meisten Leute sprechen kein Wort Englisch, was Kommunikation immer ein bisschen abenteuerlich macht, aber sicher nicht unmöglich. Am Ende sind wir immer da gelandet, wo wir hin wollten und durch die Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft schafft man es am Ende meist immer, zu verstehen, was der andere zu sagen versucht. Unsere Versuche, Vietnamesisch zu sprechen wurden grundsätzlich ausgelacht und wenn wir ein Wort im Norden gelernt haben wurde es im Süden schon wieder ganz anders ausgesprochen.

Wifi gibt es wirklich überall. In den kleinsten Blechschuppen hatten wir das beste Internet und eine Simkarte mit unlimitiertem Internet kostet nur ein paar Euro. Nur einige Seiten waren gesperrt, aber so ist das wohl in kommunistischen Ländern.

Gerade über die Landwege fahren ist wirklich gefährlich. Überall laufen Tiere herum: Hunde, Hühner, Ochsen, Schweine, Katzen. Alle fröhlich beisammen und völlig furchtlos. So fahren wir an einer Holzhütte vorbei und ein Hund liegt mitten auf der Straße. Als unser Fahrer hupt, zuckt er nichtmal mit dem Auge. Wir passieren dichten Nebel irgendwo auf einem Berg mitten im Nichts und plötzlich ohne Vorwarnung passiert ein Schwein direkt vor unserem Auto die Straße. Ein Auto ohne Fahrer mieten ist in Vietnam quasi unmöglich, aber vielleicht ist es auch ganz gut so.

In Vietnam scheint es manchmal, als sei die Zeit stehen geblieben und das gilt vor allem für den Norden. Als wir unseren Großeltern (die beide aus der Landwirtschaft kommen) Fotos gezeigt haben, wie dort der Reis geerntet wird, haben sie sich direkt in ihre jungen Jahre zurück versetzt gefühlt. Man nutzt dort Geräte, die man hier vor teilweise 100 Jahren genutzt hat und unsere Großeltern wussten noch genau, welch ein knochenharter Job das war.

Besonders unter den etwas wohlhabenderen Vietnamesen gibt es einen Trend, der uns aufgefallen ist: Partnerlook. Die ganze Familie läuft dann in exakt den gleichen Klamotten rum – von der Cappie bis zu den Schuhen. Vor allem am Flughafen konnte man viele von diesen kleinen Klonfamilien entdecken und zugegeben, irgendwie sieht es ja schon ziemlich süß aus.

 

13 Comments

  • 12 Monaten ago

    Super interessanter Reisebericht Asien fasziniert mich wahnsinnig, da lerne ich gerne etwas mehr über Vietnam – danke für deinen interessanten Blickwinkel!

    Alles Liebe,
    Fee




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  • 12 Monaten ago

    Ein ganz wunderbarer Beitrag *-* Und erst einmal herzlichen Glückwunsch zur neuen Wohnung! Wann geht es für euch nach Berlin?
    Ich musste sehr schmunzeln bei all den schönen Anekdoten, denn ich kann das nur so unterschreiben! Vietnam ist einfach ein ganz zauberhaftes Land und ohne das ganze Hupen wäre es auch einfach nicht das Gleiche
    Liebst Kathi
    http://www.meetthehappygirl.com




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  • 12 Monaten ago

    Wow, das ist ja toll! Ich hab ja gesagt, das klappt bestimmt ganz plötzlich und überraschend das ist euer großes Weihnachtsgeschenk!
    Dein Beitrag ist sehr schön geschrieben, und der Abschnitt mit dem Hupen wirklich lustig!

    Liebe Grüße,
    Kate von http://katinspiration.com




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  • 12 Monaten ago

    Ein sehr interessanter Blogpost!

    http://thedaydreamings.blogspot.de




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  • 12 Monaten ago

    Tolle Eindrücke! Vietnam steht auch noch ziemlich weit oben auf meiner Liste von Ländern, die ich unbedingt bereisen möchte…wie so viele andere auch. Mal sehen, wann die Zeit und das Geld für den nächsten großen Trip reichen!




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  • Cana
    12 Monaten ago

    Du schreibst immer so schööön, war richtig enttäuscht, als der Post zu Ende war… Und herzlichen Glückwunsch für die Wohnung!!

    Lg,
    Cana




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    • Jana
      12 Monaten ago

      ooh, dankeschön




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  • 12 Monaten ago

    Oh sehr cool, Vietnam steht auch ganz oben auf meiner Bucket-List. Das mit dem Autofahren kommt mir von Kuba sehr bekannt vor. Da ist die Autobahn auch eher ein Supermario Spiel weil man Halbmeter tiefen Löchern ausweichen muss, Kühe am Rand grasen, Leute mit dem Rad, Kutsche und zu Fuss rumlaufen oder jemand einfach rückwärts fährt weil er eine ausfahrt verpasst hat. Man kann dort zwar allein fahren, das war ganz okay. Solange man einfach ankommt bevor es dunkel wird. Dann sieht man nämlich weder die Tiere noch die Löcher und das ist dann wirklich gefährlich.

    Liebe Grüsse
    Sylvia
    http://www.mirrorarts.at




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  • 12 Monaten ago

    Danke für diesen Beitrag. Es ist wirklich interessant zu sehen, wie das Leben in anderen Kulturen funktioniert.
    Von Spaziergängern auf der Autobahn habe ich hier noch nix gehört, aber in Norwegen ist mir auch schon öfter ein Traktor auf der Autobahn begegnet. Und Schafe auf den Landstraßen scheinen auch keinen zu überraschen – habe ich aber leider noch nicht gesehen.
    Die Sache mit dem Wlan fand ich irgendwie am erstaunlichsten Besonders wenn ich daran denke, wie kompliziert es in Deutschland oft ist selbt in Großstädten an ein halbwegs stabiles Wlan – Netz zu kommen.
    Und wirklich tolle Aufnahmen sind dir gelungen – die machen direkt Lust auf eine Reise
    Viele Grüße vom Oslofjord
    Janine




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  • 12 Monaten ago

    oh danke für deinen interessanten Beitrag. Wirklich wundervolle Bilder
    http://carrieslifestyle.com




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  • 12 Monaten ago

    Tolle Eindrücke, ich war vor drei Jahren in Vietnam und habe viele ähnliche Erfahrungen gemacht. Dass manche Familien im Partnerlook rumlaufen, ist mir aber nicht aufgefallen. Wie lustig

    Liebe Grüße
    Anika von MISS ANNIE




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  • 12 Monaten ago

    Toller Reisepost und aahh Glückwunsch zur Wohnung. In welchen Stadtteil hat es dich jetzt hinverschlagen? Obwohl du immer die Bloggerin aus Münster bist bzw. warst finde ich es richtig schön, dass du jetzt auch Teil von Berlin wirst. Grüße aus Berlin.




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  • 12 Monaten ago

    Ohhh Glückwunsch erstmal zu der Wohnung liebe Jana! Da bin ich ja super gespannt und gratuliere euch schon mal ganz herzlich!!
    Deine Eindrücke aus Vietnam fand ich auch sehr spannend und musste mehrmals ganz schön schmunzeln, besonders bei Punkt 1 (und auch bei der Partnerlookvorstellung:-D). Das mit dem Hupen ist in Indien auf jeden Fall auch so und ganz schön gewöhnungsbedürftig. Alles in allem klingt Vietnam aber nach einem sehr faszinierenden Land!

    Alles Liebe,
    Corinna
    http://www.kissenundkarma.de




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