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quarterlifecrisis

Ich bin letztens aufgewacht und habe mich gefragt, was ich hier eigentlich mache. Völlig unangekündigt bin ich mit einem dicken Kloß im Hals aufgewacht und habe alles angezweifelt, was ich hier auf der Welt tue. Natürlich gibt es immer mal Phasen, in denen man unzufrieden war und nicht wusste, was man als nächstes am besten tut aber das hier war anders. Ich habe mich so in meine Selbstzweifel hineingesteigert, dass ich wie gelähmt war. Was machst du hier eigentlich? Und was hinterlässt du? Hat das was du hier tust überhaupt irgendeinen Sinn?

Vielleicht ist es der Tatsache geschuldet, dass ich ständig gefragt werde, ob ich das hier für immer tun möchte und keine Antwort darauf weiß. Vielleicht auch, weil ich nichts schlimmer finde, als mit dem typischen Influencerbild, der nur schöne Views postet und alles awesome findet, in Verbindung gebracht zu werden. Vielleicht ist das auch völlig normal und jeder von uns hat diese Phasen. Ich wünsche es niemanden, auch wenn ich zugeben muss, dass es irgendwie beruhigend ist, zu wissen, dass man nicht allein ist.

Und während ich mich langsam immer mehr in meine Ängste und Sorgen hineinsteigerte, kamen immer mehr unbeantwortete Fragen auf und diese furchtbare Last der Verantwortung. Menschen in meinem Alter fangen an, Verantwortung für ein menschliches Leben zu übernehmen. Möchte ich das? Was passiert, wenn die Miete mit den Jahren immer teurer wird und meine Rente nicht mehr reicht, wenn ich mal alt bin? Ich würde gerne mein eigenes Leben spoilern. Ich möchte wissen, welcher Pfad mich am glücklichsten mag und vor lauter Gabelungen sehe ich das Happy End am Ende des Weges nicht mehr. Oder kann mir zumindest mal jemand sagen, was ich überhaupt will?

Ziemlich miese Gedanken viel zu früh am Morgen. Gedanken, die vermutlich die meisten von uns früher oder später mal haben werden und die vielleicht auch ganz normal sind. Nur wenn sie überhand nehmen, dann wird es gefährlich. Dann sitze ich plötzlich da und funktioniere einfach nicht mehr, weil ich vor Frust und Sorge ganz gelähmt bin. Mir half dann nur, meine Gedanken konstruktiv zu leiten.

Drei Gedanken haben mich am Ende beruhigt:

  1. That’s life. Alles ist irgendwie ungewiss und jedem einzelnen von uns kann so viel passieren. Der eine gewinnt im Lotto und der andere ist vielleicht extrem reich aber todeskrank. Gesundheit kann man nicht kaufen, genauso wenig wie Glück. Wir können alle unseren Job verlieren, oder einen Unfall haben oder auch wahnsinniges Glück haben. Und so unvorhersehbar die Zukunft ist, so unnütz ist es auch, sich tausend Gedanken über dutzende Szenarien zu machen, von denen die meisten gar nicht eintreten werden. Manchmal ist es eben sinnvoller, auch mal ein bisschen im Moment zu leben, sonst verpasst man nachher alles Wunderbare, was im Hier und Jetzt geschieht.
  2. du kannst mehr als dir in diesem Moment bewusst ist. In solchen Situationen neigen wir dazu, uns zu unterschätzen. Ich kam mir auf einmal ganz nutzlos und klein vor. Ich meine, was mach ich eigentlich all die Jahre und kann das nicht irgendwie jeder? Bilden sich andere Leute in ihrem Job viel intensiver fort und sammeln so viel mehr Erfahrungen als ich? Vielleicht bleibe ich irgendwann auf der Strecke, weil meine Fähigkeiten einfach nicht mehr ausreichen. Also habe ich einfach angefangen, aufzuzählen, was ich kann und was ich alles tue. Ich habe einen Studienabschluss, langjährige Erfahrung im Community Management, beherrsche vektorbasierte Programme, Indesign und Photoshop. Ich kann zeichnen, kreativ arbeiten und Konzepte erstellen und ziemlich gut fotografieren. Ich bin gar nicht so nutzlos, wie ich mir in diesem Moment vorkomme, also muss ich mich einfach mal zusammenreißen.
  3. Du machst nicht nichts. Wenn ich gefragt werde, was ich beruflich mache, antworte ich nur ungern, was ich wirklich tue. Die meisten haben bereits eine feste Meinung über Blogger, bevor sie mich überhaupt fragen, was ich so mache, ganz besonders seitdem der Begriff Influencer aufgetaucht ist. Von Menschen, die mich so gut wie gar nicht kennen als oberflächlich, verwöhnt oder meinungslos verurteilt zu werden ist unglaublich ätzend. Ein Lifestyle Blog dient in erster Linie der Unterhaltung und so ist es manchmal wirklich schwierig, das richtige Mittelmaß zu finden und hier helft ihr mir immer wieder. Ich versuche oft und regelmäßig ernstere Themen anzusprechen und meine Meinung zu teilen und wenn ihr mir dazu kein so positives Feedback gegeben hättet, dann weiß ich nicht, ob ich noch lange ich das hier noch geschafft hätte. Ich glaube es ist wichtig, zu erkennen, dass das was man tut eine Bedeutung hat. Die kann sich je nach Mensch und Beruf komplett unterscheiden, aber es ist gut, sich in Erinnerung zu rufen, dass das was man macht irgendwie auch wichtig ist.

Mir geht’s jetzt übrigens besser. Ich konnte ein paar Tage tief durchatmen und weiter machen. Vielleicht ist meine Quaterlifecrisis ja hiermit auch schon beendet, auch wenn ich es nicht ganz glaube. Kopf hoch, macht euch nicht zu viele Sorgen. Es bringt nichts und ihr tut ohnehin schon euer bestes.

22 Comments

  • 2 Wochen ago

    Ich habe solch einen Anflug alle 3-4 Monate, nur dass er wochenlang anhält. Irgendwie habe ich das Gefühl nichts zu können und nicht voranzukommen.
    Habe ich mir meinen Weg so ausgesucht? Aber mein irdisches Ich will mehr, will Bewegung keinen Stillstand…. So vergehen Tage, Wochen und ich beruhige mich. Bis die nächste Welle über mir zusammenbricht…




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    • Jana
      2 Wochen ago

      Ich weiß genau was du meinst. Vielleicht haben wir auch verstärkt das Gefühl nicht genug zutun, weil der Mensch sich von Natur aus gerne vergleicht und durch die sozialen Medien einfach so viel Input bekommt von anderen Menschen, dass er schnell das Gefühl hat, unterzugehen.




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  • Anonymous
    2 Wochen ago

    Rechtschreibfehler direkt im Titel…




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    • Jana
      2 Wochen ago

      Oh Gott, um ehrlich zu sein, dachte ich tatsächlich, dass man Quarter ohne R schreibt. Danke für den Hinweis!




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  • 2 Wochen ago

    Ein wunderbarer Beitrag – danke für’s Teilen! Und ja, jeder Einzelne von uns kann mehr als er denkt!




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  • 2 Wochen ago

    True that!
    Super schön geschrieben, liebe Jana.




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  • 2 Wochen ago

    Liebe Jana,
    ich kenne das so gut. Genauso ging es mir letztens auch.
    Habe dazu ebenfalls einen Blogpost geschrieben, eventuell interessiert er dich ja:
    http://www.strawberrypie.de/thoughts-schaeme-mich-fuers-bloggen/
    Ich bin zwar nicht Berufsblogger, aber die Situation ist ähnlich
    Liebe Grüße
    Ruth




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  • Susanne
    2 Wochen ago

    Liebe Jana,

    ich lese deinen Blog nun bestimmt fünf Jahre, oder länger. Und ich muss sagen für mich ist er alles andere als bedeutungslos. Ich habe bestimmt an die 50-60 Blogs in meinem Reader. Und klar schau ich mir manchmal einfach nur die hübschen Mädels in ihren hübschen Klamotten an irgendwelchen hübschen Orten an. Dann kommt bei mir immer so ein gemischtes Gefühl aus Faszination Neid und ein ganz starker Minderwertigkeitskomplex auf. Alle viel jünger, schöner und erfolgreicher als ich, so meine Gedanken immer. Und dann lese ich deinen Blog. Und jetzt verstehe mich bitte nicht falsch. Du bist auch jung, schön und erfolgreich. Aber gleichzeitig wirkst du so unglaublich nahbar und authentisch und vor allen Dingen wahnsinnig sympathisch. Das erdet diese ganze verrückte Bloggerwelt für mich wieder. Und das Tollste an deinem Blog ist, dass man merkt, dass du dir ganz viele Gedanken machst, Gedanken, die ich mir und bestimmt viele von deinen Lesern auch selbst machen. Das mag jetzt vielleicht etwas kitschig klingen, aber deine Beiträge geben immer ein bisschen Halt und Orientierung. Deswegen mach bitte weiter so. Und lass dich von nichts und niemanden entmutigen. Hoffe konnte meine Gedanken halbwegs nachvollziehbar darlegen. Schreiben gehört jetzt nicht so zu meinen Stärken.

    LG Susanne




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    • Jana
      2 Wochen ago

      danke! Das ist so unfassbar nett ich hab mich echt gefreut, das zu lesen




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  • sarah
    2 Wochen ago

    ich kenn diese gedanken nur zu gut und bin dir gerade sehr sehr dankbar für
    deine 3 positiven punkte .. die machen mut
    und ja das leben ist schön auch wenn doofe gedankenwolken . sorgenblitze und
    sonstiges unschönes wetter das oft verdecken wollen

    ich wünsch dir alles alles liebe und viele sonnige momente die dich aufmuntern .!
    die sarah




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  • 2 Wochen ago

    du sprichst genau meine Gedanken aus!




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  • Katrin
    2 Wochen ago

    Hey.

    Ich kenne das von mir selbst, und ich bin normale Angestellte mit einem „vernünftigen“ Job. Trotzdem würde ich den nicht als sinnvoller als deinen Job bezeichnen.
    Ich lese am liebsten deine Opinion Beiträge.

    LG, Katrin




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  • 2 Wochen ago

    Ohja, das kenne ich gut und ich weiß absolut was du meinst. Dementsprechend finde ich die abschließenden drei Punkte besonders wichtig. Es hat mich auch einige Zeit gekostet, auch an diesem Punkt zu kommen, wo ich realisiere, dass das nun einmal so ist, aber jeder von uns seine Daseinsberechtigung hat!

    Allerliebste Grüße,
    HOLYKATTA




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  • Indie
    2 Wochen ago

    Ich bin neulich durch meine Wohnung gelaufen und hatte diesen Gedanken: wow, alles was hier steht habe ich mir selbst erarbeitet. Jede Lampe und jedes Regal habe ich selber aufgehängt.
    Also reicht es schon sich einmal in seiner direkten Umgebung umzuschauen und zu registrieren, wieviel man schon erreicht hat.
    Stellt sich vielleicht noch die Frage „womit“. Ich habe nach einem Berufseinstieg als Grafikerin nochmal die Richtung gewechselt, weil mir der Job zu sinnlos vorkam. Heute arbeite ich im Umweltschutz, seitdem habe ich auch diese Sinnkrisen, die du beschreibst nicht mehr.

    Dein Blog ist aber mehr als Werbeprospekte zusammen zu klicken. Ich schaue gerne hier vorbei, weil ich schöne Bilder liebe und viele deiner Artikel mir Gedankenanstöße geben. Außerdem liebe ich deine Interieur Posts und habe mich davon schon häufiger inspirieren lassen.

    Und was die Zukunft bringt weiss sowieso niemand. Mein Lifegoal ist im hier und jetzt zu leben (und die Rente vielleicht nicht ganz aus dem Auge zu verlieren). Man muss es aber auch nicht übertreiben. Vielleicht werde ich morgen vom Bus überfahren. Da möchte ich heute zumindest noch eine gute Zeit gehabt haben.

    Liebe Grüße!




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    • Jana
      2 Wochen ago

      Das ist echt ein schöner Gedanke und du hast eigentlich so recht. Man muss die Dinge auch einfach mal aus der anderen Richtung betrachten und sich daran erinnern, was man so geschafft hat…
      Ich stelle es mir übrigens wahnsinnig spannend vor, im Umweltschutz zu arbeiten




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  • Kerstin
    2 Wochen ago

    Liebe Jana,
    irgendwie finde ich es schade, dass du ungern erzählst, was du beruflich machst. Ich denke mir nämlich immer, wie unglaublich cool das sein muss, wenn man sagen kann, dass man einen eigenen Blog schreibt und noch dazu so erfolgreich damit ist. Ich hätte niemals den Mut dazu und auch gar nicht das Talent. Und wer dich als hirnloses Modemädchen vorverurteilt, ohne deine Arbeit überhaupt zu kennen, hat einfach keine Ahnung. Du bist klug und witzig und authentisch und inspirierend. Sei stolz auf dich und deinen Blog, du bereicherst damit das Leben von anderen Menschen und das finde ich sehr sinnvoll.
    Du steckst hier so viel Herz rein, lass nicht zu, dass jemand dich davon abhält, stolz darauf zu sein.

    Diese Gedanken, was alles Schreckliches in Zukunft passieren könnte, kenne ich auch sehr gut. Phasenweise steigere ich mich da richtig rein und denke mir, dass bestimmt irgendwas was ganz Furchtbares passiert, weil das Schicksal mich bisher verschont hat. Vielleicht kommen diese Zukunftsängste einfach mit dem Alter? Aber du hast Recht, es ist gut zu wissen, dass man nicht alleine damit ist.

    Liebe Grüße!
    Kerstin




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  • Sylvia
    2 Wochen ago

    Ich glaube solche Tage hat doch jeder von uns. Am besten versucht man dann mal ein wenig abzuschalten und eine Pause zu machen.

    Liebe Grüsse
    Sylvia
    http://www.hochzeitsfotografen-mirrorarts.ch/




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  • Isa
    2 Wochen ago

    Liebe Jana!
    Ich glaube so geht es ganz ganz vielen Menschen in unserem Alter. Unsere Zeit ist so furchtbar schnelllebig und durch Social Media ist der Druck gestiegen und man vergleicht sich andauernd mit anderen. Früher gab es vielleicht Mädels in der Stufe oder Frauen in Zeitschriften, die man beneidet hat bzw die man super toll fand, aber nie dachte an sie heranreichen zu können. Aber ich denk mir in solchen Momenten, erstens: mach dir nicht zu viele Gedanken um die Zukunft, denn wie du schon sagst, wer weiß was morgen ist und ob wir dann noch sind. Und zweitens: mit dem Alter wird alles besser werden. Je mehr Lebenserfahrung man sammelt, desto gelassener wird man, denke ich. Wir sind nur so eine kurze Zeitspanne auf dieser Welt und sollten unser Bestes geben um glücklich zu werden! Ich würde auch gerne mehr hinterlassen oder mich stärker engagieren, aber mein Gott, wir sind doch erst Mitte 20. Wir haben noch viel Gelegenheit dazu und du machst es schon richtig, indem du dir vor Augen rufst, was du alles kannst und schon erreicht hast.
    Liebste Grüße
    Isa




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  • ELENA
    2 Wochen ago

    Ein toller Beitrag liebe Jana!
    Ich selbst hatte auch in Beruf eine Phase in der ich das Gefühl hatte die Karierreleiter nicht schnell genug hoch zu klettern … nach dem Studium hätte ich direkt eine Festanstellung bei einem Modeunternehmen als Designassistentin bekommen soweit so gut, die Jahre verstrichen und Gefühlt ALLE aus meinem Studium waren plötzlich Designer oder Produktmanager und ich? Habe es „nur“ zur Juniordesignerin gebracht… Was im übrigen auch nur ein anderes Wort für Designassistentin ist…
    und eines Tages kippte ich um… einfach so… ohne Vorwarnung… eine Notoperation später lautete die Diagnose „Eileiterschwangerschaft“ ich wusste bis dahin nicht mal das sowas exestiert… ich hätte wahnsinnig viel Blut verloren und wäre beinahe innerlich verblutet weil mein Eileiter geplatzt ist.
    Das riss mir erstmal den Boden unter den Füssen weg… Aber nachdem man die Scherben anfängt wieder aufzusammeln erkennt man auch welche einem wirklich wichtig sind… ich habe mich für meinen Mann und ein Kind entschieden… die Karriere muss erstmal warten. Für die habe ich noch 40 Jahre Zeit…
    Seit dem lautet mein Motto: “ du kannst alles haben, aber nicht alles auf einmal!“

    Liebe Grüße aus dem schönen Bielefeld!
    Elena




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  • Anne
    2 Wochen ago

    Liebe Jana,
    vielen Dank für deinen Text. Ich glaub, nun hat das, was ich da seit Wochen durchlebe, einen Namen bekommen. Ich hab mich, ein wenig auf die Suche nach mir selbst und etwas Ruhe, auf den Jakobsweg begeben. Und anstatt mich zu finden, bin ich mit 1000 neuen Fragen und Ideen zurückgekommen. Seitdem steht alles auf dem Prüfstand (sogar meine Beziehung) – und das ist unheimlich anstrengend..
    Mal sehen, wo ich am Ende rauskomme. Es bleibt spannend!




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  • 2 Wochen ago

    Ich kenne das, vor ein paar Wochen war ich an dem selben Punkt, mittlerweile ist es am Abklingen und ich muss sagen, lustigerweise haben genau diese 3 Punkte mir auch geholfen.
    Liebe Grüße
    Eva

    http://www.eva-jasmin.de




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  • Anonymous
    1 Woche ago

    Viele Fehler. Schade, dass niemand die Texte Korrektur liest.




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