logo_frei

Nostalgia

“But in that moment I understood what they say about nostalgia, that no matter if you’re thinking of something good or bad, it always leaves you a little emptier afterward.”

― John Corey Whaley, Noggin


„Das war der schönste Sommer meines Lebens“ sagt er. Wir reden über alte Zeiten. Über all die Dummheiten, die wir damals angestellt haben. Damals, als wir noch so jung und sorglos waren, mit keinem Cent in der Tasche, aber dafür umso mehr Energie. Ahnungslos, was uns in der Welt erwarten würde und voller Abenteuerlust in den Augen waren die kleinsten Trips schon ein wahnsinniges Abenteuer.

Ich kann mich daran erinnern, wie wir nachts durchs Maisfeld gerannt sind und mein Herz schlug, als ginge es um mein Leben. Wie wir ziemlich angeschwipst durch ein Strohlabyrinth geklettert sind und ich dachte, wir finden nie wieder raus. An die Hausparty, auf der plötzlich der Keller unter Wasser stand und uns jemand mit dem Schlauchboot entgegen ruderte. Hunderte und tausende Erinnerungen, von denen kein Foto existiert und trotzdem alles in meinem Kopf gespeichert ist. Das meiste ist zu verrückt, um es hier aufzuschreiben. Ich kann seine Aussage verstehen, ich erinnere mich so gerne an diese Zeit zurück.
Aber so schön die Erinnerungen sind, so traurig ist der Satz. Eine Zeit, die so viele Jahre in der Vergangenheit liegt als die schönste zu bezeichnen, bedeutet auch, dass die grandiosesten Momente bereits in der Vergangenheit liegen und in unseren jungen Jahren bereits in der Vergangenheit zu leben ist viel zu schade. „wieso war? Mach doch einfach weiter, was hält dich davon ab?“ versuche ich das Gespräch also auf die Gegenwart zu lenken, aber ich kenne die Antwort bereits. Ich sitze an einem Tisch voller Erwachsener und Vernunft und Verantwortung schweben wie ein Damoklesschwert über unseren Köpfen. Und ab und zu fühlt es sich an, als wären die Person, die all diese Dinge erlebt haben nicht mehr hier. Als wären es andere gewesen und nicht die Leute, die ich heute kenne.

“how sad and bad and mad it was – but then, how it was sweet”

― Robert Browning

Dieses Gespräch lässt mich seitdem nicht mehr los. Ich lag noch am nächsten Tag im Bett und habe lange über meine schönsten Momente nachgedacht. Über den Sommer und vor allem die vielen danach. Ich dachte daran, wie wir nach Amsterdam getrampt sind, wie wir nachts in den viel zu kalten Kanal gesprungen sind, diese abgefahrene Nacht mit dem selbsternannten Poeten auf der Straße, der immer Rosenblätter durch die Luft warf und unser erster Mai im Zickzack mit dem Kanu über den Kanal. Ich liebe all die letzten Jahre mit all den dummen Entscheidungen, aber ich freue mich genauso auf das was kommt. Ich beschließe hiermit, niemals zu erwachsen zu werden, um neue tolle Erinnerungen zu kreieren und mein Leben in vollen Zügen zu genießen. Auf die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft!!

10 Comments

  • Sarah
    2 Monaten ago

    Und auf dich!
    Weil du es immer wieder schaffst, so treffende und berührende Beiträge zu verfassen. Ich hab ein paar Tränchen in den Augen.




    0



    0
  • 2 Monaten ago

    Der Text ist sehr schön geschrieben, habe ich mir gerne durchgelesen. Stimme dir vollkommen zu, dass man nicht zu erwachsen werden sollte.

    Liebste Grüße und einen schönen Sonntagabend, Isabelle




    0



    0
  • Sylvia
    2 Monaten ago

    Ach da hast du recht, die alten Erinnerungen. Trotzdem hab ich auch nicht vergessen was für Sorgen und Ängste man dort noch hatte, die komplett unbegründet waren teilweise.

    Liebe Grüsse
    Sylvia
    http://www.mirrorarts.at/ – Fotoblog




    0



    0
  • Jacky V
    2 Monaten ago

    Wunderschöner Beitrag und fabelhafte Fotos dazu

    Liebe Grüße,
    Jacky

    My photography blog: http://www.vifer-photography.blogspot.com




    0



    0
  • Indie
    2 Monaten ago

    Zwischen Alltag, Jobs und möglicherweise Kindern vergessen die Meisten, dass das Leben auch mit Mitte 30 (oder später) eine verrückte Party ist, die man in vollen Zügen genießen sollte.
    Mein Leben ist mit jedem Lebensjahr schöner geworden, weil ich mir diese Auszeiten vom erwachsen sein weiterhin nehme, dabei aber stetig an Lebenserfahrung gewonnen habe.
    Wenn das bedeutet dass ich nicht erwachsen bin, auch mit 35 noch nicht, dann nehme ich das gerne so hin

    Danke für den schönen Beitrag.




    0



    0
  • Svanne
    2 Monaten ago

    Sehr schön geschrieben! Du hast mich angeregt, selbst über meine bisher (!!) schönsten Momente nachzudenken. Sie sehen ähnlich aus wie deine!
    Nacht- und Nacktbaden, unbeschwerte Grillabende am See und Deutschland querbeet mit der Bahn zu erfahren (ja mit dem Quer-durchs-Land-Ticket sprich RE/RB, da IC/ICE zu teuer war. Da fährt man schonmal 7h nach Dresden, anstatt den üblichen 3h…)
    Der Weg war das Ziel!
    Durch einen Umzug habe ich einen neuen Freundeskreis. Aber ich kann sagen, dass sich nichts geändert hat. Die Reiseziele sind etwas weiter geworden, der Schelm reist dennoch immer wieder mit! Auch das Essen beim Grillen ist etwas teurer geworden und man gönnt sich mal ein teuren Sektchen. Aber dennoch mit viel Spaß und wenig Erwachsensein!
    Vielen Dank! Du hast mich grad daran erinnert und das hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert!




    1



    0
  • 2 Monaten ago

    Was für ein toller, positiver Text!
    Danke für diesen wunderbaren Gedankenanstoß

    Liebe Grüße, Cathleen ♥

    http://holzreich.com




    0



    0
  • 2 Monaten ago

    was für ein schöner Beitrag! Lässt mich gerade auch wieder in Erinnerungen schwelgen…
    Hab eine gute Woche

    Liebe Grüsse
    Michaela
    Michaelablog
    Bloglovin




    0



    0
  • 2 Monaten ago

    Was für eine unglaublich wahre Botschaft. Wir haben unser Leben selber in der Hand, können unsere Konventionen eigenständig setzen. Danke für diesen Gedanken!
    Anne
    http://trustyourgut1.blogspot.de/




    0



    0

Leave A Comment