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wie es ist, als dürre Bohnenstange aufzuwachsen

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Vor einiger Zeit habe ich mit jemanden über unsere Jugend gesprochen. Die Person beschrieb, wie es ist, wenn man dicker ist als die anderen Kinder und meinte im gleichen Atemzug, dass ich das nicht nachvollziehen könnte, weil ich nie dicker war, sondern nur ein blondes, schlankes Mädchen. „Spielst du Basketball“ oder „bist du Model“ – das sind die zwei großen Fragen, die man in der Regel gestellt bekommt, wenn man eine große Frau ist. Ich hab das ganze fast zwei Jahrzehnte als Fluch gesehen, und ich bin „gerade mal“ 177cm groß. Im Kindergarten hatte ich das Glück (ja, Glück. Weil Kinder grausam sein können zu allem, was ein bisschen von ihrem eigenen Standard abweicht) genauso klein wie alle anderen Kinder zu sein. Ich war ein kleines Kind in geschmacklosen 90er Jahren Klamotten und sah so ziemlich genauso furchtbar aus, wie jeder andere Hosenscheißer in meiner Marienkäfergruppe.

In der Grundschule wurde ich auch noch gut verschont, das ganze fing dann in der weiterführenden Schule an. Während alle anderen anfingen rumzupubertieren, schien mein Körper alle Kraft darauf zu verwenden, lediglich in die Länge zu schießen.

Ich war eine lange, viel zu dürre Bohnenstange ohne jede Art von Kurven. meine Beine waren irgendwie zu lang für meinen Oberkörper und das war der Zeitpunkt, wo ich mir zum ersten mal richtig Gedanken über mein Äußeres machte. Als pubertierendes Mädchen (zumindest zu meiner Zeit in meinem Dorf) gab es nichts schlimmeres, als herauszustechen und vom Standard seiner Gruppe abzuweichen. Und nein, als Jugendliche kann man sich nicht einfach darüber freuen, dass man gesund ist. Sowas blendet man völlig aus.

Das oberste Ziel war es damals ein völliges Abbild der Gruppe zu ergeben und das haben meine Freunde perfektioniert. Wir haben alle die gleichen furchtbar engen Zippercardigans getragen, die wir immer nur halb zugemacht haben, die gleichen Buffalos mit den dicken Zungen, die so riesige Füße gemacht haben. Wir haben uns am Vortag abgesprochen, dass wir am nächsten einen Rock tragen und waren beleidigt, wenn unsere beste Freundin uns auflaufen ließ, weil sie doch keinen trug. Für ein pubertierendes Mädchen gibt es kein höheres Ziel, als zu Herde zu gehören. Und plötzlich fiel ich aus der Reihe.

Ich war irgendwie anders. Ich konnte mich durch meine Größe schlecht verstecken und egal was ich trug, ich konnte auch nicht verschleiern, dass ich eine Bohnenstange war. Dieser Fakt wurde mir dann ziemlich schnell klar gemacht. Von den Jungs aus meiner Klasse, die mich hänselten, weil ihrer Meinung nach meine Brüste nicht groß genug seien oder meine Knochen gleich brechen würden, weil ich nichts esse. Von der Sportlehrerin, die mich zur Seite nimmt und mich fragt, ob ich Probleme habe oder über mein Essverhalten reden wolle. Von den älteren Mädchen in der Schlange im Supermarkt hinter mir, die viel zu laut tuscheln, wie ekelig dürr ich sei, als dass ich weghören hätte können. Diese seltsame Situation im Haus einer Freundin, als sie sagte, sie wolle gerne ein bisschen abnehmen und die Mutter antwortete “Aber du willst doch nicht so aussehen wie Jana oder?” Ich hatte bis dato nicht einmal den Hauch einer Ahnung, dass es Menschen gibt, die Essprobleme hatten. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die nichts essen, damit sie so aussehen. Da wurde mir klar, dass andere Menschen von mir denken, ich sei psychisch krank. Während die anderen schwimmen gegangen sind, saß ich zuhause am PC. Meine Mutter meinte mal beim Abendessen zu mir „Aber es ist doch besser zu dünn zu sein als zu dick“. Nein, das machte keinen Unterschied. Denn du bist anders, so oder so.

So hat sich das fortgeführt und ich hatte mir angewöhnt, mich möglichst klein zu machen. „Stell dich doch mal gerade hin“ – keine Ahnung, wie oft ich diesen Satz schon gehört habe. Das war eine völlig unterbewusste Reaktion von mir auf die Reaktionen meiner Umwelt. Ich habe versucht, mich kleiner zu machen. Nicht mehr so aufzufallen und mir ein dickeres Fell angefressen. Noch in der Oberstufe habe ich mitbekommen, wie Leute sich hinter meinem Rücken über meine „Essstörung“ unterhalten haben oder Halbstarke mir auf der Straße entgegenriefen, ich solle mal einen Burger essen. Meine damals beste Freundin legte mir ans Herz besser kein Schwarz oder Strumpfhosen zu tragen, anstatt mir zu sagen, dass ich auf andere scheißen soll und auch in der Oberstufe empfand ich die dämliche Verpflichtung in Gegenwart anderer ständig etwas essen zu müssen um Menschen, die mir nicht einmal wichtig waren, das Gegenteil zu beweisen. Und mich möglichst klein zu machen.

Ich war nie ein Mensch, der den Mund nicht aufgekriegt hat. Im Gegenteil, ich war ziemlich aufmüpfig und ich habe mir solche Sachen nicht immer einfach gefallen lassen. Das heißt aber nicht, dass solche Sprüche spurlos an einem vorbei gehen. Diese Menschen dachten nicht einfach, du seist dumm oder seltsam. Die dachten, du wärst ein Psycho.

Irgendwann im Studium hat sich mein Selbstbild plötzlich geändert. Einen großen Teil hat bestimmt auch dieser Blog beigetragen und sicher auch der Fakt, dass ich längst nicht mehr so dürr bin wie vor Jahren. Das hat tatsächlich bis in die zwanziger Jahre gedauert, aber es hat sich mittlerweile gut verwachsen und ich darf sogar darüber reden, dass ich mich in Zukunft gesünder und frischer ernähren will ohne dass Leute gleich sagen ich sei gestört. (Ich finde, jeder hat das echt, sich gesünder ernähren zu wollen) Ich trage jetzt High Heels, gerne über 10cm und kümmere mich einen Scheiß darum, ob ich die Größte bin. Ich trage was ich will, ich färbe mir die Haare lila und ich bin laut, wenn ich will. Seit Jahren habe ich keinen schlechten Kommentar mehr über mein Aussehen bekommen. Weil ich mich irgendwann einfach so akzeptiert habe, wie ich bin und vielleicht, weil mein Umfeld mit mir erwachsener gworden ist. Was bringt es, sich zu beschweren? Das macht einen weder kleiner, noch schöner. Größer zu sein hat Vor- und Nachteile, aber ist sicher kein Grund sich zu verstecken, genauso wenig wie eine krumme Nase oder Obeine. Ich habe das Gefühl, dass wir mit dem Alter ein bisschen weniger oberflächlich werden und uns selbst und andere langsam akzeptieren. Und ich bin weder Basketballspieler, noch Model.

Ich treffe immernoch Mädchen, die sogar größer als ich sind und das bis heute als Fluch ansehen. Die nie High Heels tragen, weil sie dann „zu groß sind“ oder Probleme haben, wenn sie mit jemandem zusammen sind, der kleiner ist als sie. Ich glaube, langsam ist die Zeit gekommen, in der das völlig egal ist. Wir reden hier über eine Körperlänge und wir sind erwachsen. Wenn man sehr groß ist, fällt man schneller auf, genauso wie sehr kleine Menschen vielleicht auffallen. Aber warum diese Aufmerksamkeit nicht einfach nutzen und versuchen, sich darüber zu freuen? ;)

3 golden rules for professional bloggers

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Der Blog steht an erster Stelle
Von allen Seiten poppen neue Social Media Kanäle auf, die ihr wunderbar nutzen könnt, um euch einem relevanten Publikum zu präsentieren. Ihr solltet dabei aber niemals vergessen, was das wichtigste Medium ist: Euer Blog! Er ist das einzige Medium, das ausschließlich ihr beeinflussen könnt. Wenn Facebook plötzlich beschließt immer werblicher zu werden, könnt ihr rein gar nichts dagegen tun. Facebook ist sowieso ein gutes Beispiel: Vor einigen Monaten noch super wichtig spielt es für Influencer nur noch eine untergeordnete Rolle. Im Moment wird Instagram heiß gehandelt, aber auch da gibt es schon die ersten Werbeposts und keiner weiß wie sich die App in Zukunft so entwickeln wird. Vielleicht nutzen in ein paar Monaten alle nur noch Snapchat oder irgendeine ganz andere App? Lasst die Sachen nicht aus den Augen aber vergisst nicht, was euer Hauptaugenmerk ist: Der Blog!

Macht eure Kontakt Details sichtbar
Achtet auf so simple Dinge die Beschreibung und Kontaktdaten. Niemand kann euch einschätzen, wenn nirgendwo kurz mal steht, wie ihr heißt, wo ihr her kommt und was ihr so macht. Und es gibt tatsächlich relativ viele Blogs, die ihre Emailadresse nicht sichtbar dort hinpacken, wo ich sie auch schnell finde. Da ist es manchmal einfacher, einfach den nächsten Blog zu öffnen, bis ich endlich die Mailadresse gefunden habe.

poste regelmäßig – egal was passiert
Hier kommt der ultimative Tipp. Wenn ich euch nur einen einzigen Rat geben dürfte, dann diesen hier: Bloggt regelmäßig! Wenn ihr wirklich anstrebt, mit eurem Blog dauerhaft Erfolg zu haben, geht da kein Weg dran vorbei. Ich rede hier von Berufsbloggern. Nicht Instagrammern, nicht Besitzer einer Facebookseite, sondern Bloggern mit relevantem Traffic auf der eigenen Website, dann reicht es nicht, alle drei Tage mal einen Post rauszuhauen – dann müsst ihr konsequent mindestens 5 mal die Woche Beiträge posten und das über Monate und Jahre, bis es sich überhaupt bezahlt macht. Ich hab mir in letzter Zeit viele Gedanken gemacht, weil ich so oft gefragt werde, wie ich es geschafft habe so bekannt zu werden und wieso andere nie richtig die Kurve bekommen haben und das ist zu 90% der Fälle der Grund: Die sind nicht schlechter. Ich bin nur konsequenter. Und es wird immer Schicksalsschläge und Probleme geben, die euch daran hindern werden, Content zu erstellen. Ich kann euch nur raten, für diesen Fall einige Posts im Vorfeld vorzubereiten.

English:

blog ranks first
There are so many social media channels you can perfectly use to promote your blog. But you should never forget: Your blog is the most important medium. It’s the one thing only you have a bearing on. When Facebook decides to become more and more commercial you can’t do anything. Facebook is also a pretty good example. A few months ago it was super important. Nowadays nobody seems to care about Facebook anymore and everybody goes insane about Instagram. You never know what the future will bring – maybe Snapchat? But you’ll always have your blog. Keep the traffic there!

show your details
Take care of simple things like a description of yourself or contact datas. Nobody can valuate you when they don’t know simple things like your name, your city or what you do in the main time. And there are so many blogs that don’t put their email address somewhere you can find it.

stay constant
Here comes the ultimate tip. If I could offer you only one tip, then this one: blog Regularly! If you’re really willed to have lasting success with your blog, there is no way around that. I’m talking about professional bloggers. Not Instagrammers, not the owner of a Facebook page, but bloggers with relevant traffic to your own website. It is not enough to post every three days – post at least 5 times a week and that over months and years. I thought about this so often lately because I got asked so often how I managed to be a good known blogger in Germany, and why others have never really get their act together so well and that’s about 90% of cases the reason: They’re not bad, I’m just more consistent. And there will always be days you won’t be able to post. Prepare a few ones for that case!

ich liebe mich

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photo by Einblick

Mein Blick schweift am Spiegel vorbei, als ich mir gerade die Jeans anziehe. Es ist einer dieser Normalotage, an denen ich mir die nächstbeste Hose und T-Shirt schnappe und nicht weiter darüber nachdenke, wie ich aussehe. Aber dann bleibt mein Blick kleben und plötzlich verändert sich der Tag. Ich sehe die Dellen an meinem Oberschenkel, die Glühbirne scheint gnadenlos aus einem senkrechten Winkel auf mich drauf. Meine O-Beine, meine dicke Ader am linken Bein, die einfach nicht verschwindet. Bekomme ich jetzt vielleicht auch noch Krampfadern? Ich denke wie automatisch an all die perfekten Fitness Girls auf Instagram und an das nächste Bloggerevent – Tage, die wir am Pool verbringen und an denen ich mich so blicken lassen muss. Ich muss mich dringend zusammenreißen.

Da wurden sie mir wieder brühwarm präsentiert: Die Selbstzweifel. Die tiefe Unzufriedenheit, die so viele Menschen mit sich herum tragen, weil sie mal wieder realisieren, dass sie nicht perfekt sind und das auch nie sein werden. Die Angst, die dazu führt, dass Menschen sich unter’s Messer legen und sich das letzte bisschen Individualität aus ihren Gesichtern schnippeln lassen. Weil sie denken, das wird irgendwas ändern. Weil uns irgendwie von klein auf in die Wiege gelegt wird, dass wir gut sein dürfen, aber nicht zu gut. Dass wir stolz sein dürfen, aber nicht zu stolz. Dass wir sonst arrogant wirken und nun wirklich gar nicht so toll sind.

Und dann schreibt mir im gleichen Moment ein Mädchen unter ein Instagrambild, wie toll ich sei und wie neidisch sie auf meine Beine ist. Das ist so wahnsinnig verrückt – zum einen, weil unser Selbstbild meist ein ganz anderes ist, als das, was andere von uns haben, zum anderen, weil ich irgendwie selbst drin bin, in dieser ganzen perfektionistischen Instagramwelt. Weil ich die schönen Seiten zeige, die besten Fotos poste. Vom Rest bekommt ihr am besten gar nichts mit.

Ich möchte, dass ihr wisst, dass ich absolut nicht perfekt bin. Ihr sollt wissen, dass ich Cellulite habe und meine Nase schief ist. Meine Haare erinnern irgendwie an Schafwolle und Ich bin ein Chaot. Wenn ich euch eine schöne Ecke in meiner Wohnung zeige, dann ist die andere mit Sicherheit ein völliges Chaos. Ich blamiere mich häufig auf Partys und kann gar nicht zählen, wie oft ich mich schon vor der ganzen Menge auf die Klappe gelegt habe. Es gibt Tage, an denen fühle ich mich so furchtbar und so von Selbstzweifeln geplagt, dass ich am liebsten gar nicht das Haus verlassen will und manchmal fühle ich mich auch wahnsinnig alleine.

Ich schreib das, weil es gut tut. Weil ich weiß, dass es 99% von euch genauso geht und das absolut ok ist. Jetzt gerade geht es mir nämlich wieder relativ gut. Wer hat denn eigentlich behauptet, dass ich perfekt sein muss und wieso sollte ich mich schämen, am Pool rumzuliegen? Ich hab da keine Lust mehr drauf, dieses ewige verrückt machen geht mir auf den Geist. Es geht nicht darum, dass andere Menschen mich bestätigen, oder dass es Menschen gibt, denen es noch schlechter oder viel besser geht. Ich muss einfach anfangen, mich ganz oben auf die Liste, der Menschen zu packen, die mich lieben. Weil da überhaupt nichts falsch dran ist.

don’t be too hard with yourself. You’re doing the best you can.

Zuhause

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Ich bin mir ziemlich sicher, ich habe in meinem Leben noch nie etwas so Gutes gegessen!“ – Wir sitzen vor der Imbissbude und essen unsere fettige Pommes. Es ist 3 Uhr nachts und wir kommen gerade aus dem nächstbesten Klub um die Ecke, in dem wir zu schlechter Musik getanzt haben und ich in Folge 3 mal Becks bestellt habe, weil ich es immer irgendwo vergessen habe. „Ihr glaubt gar nicht, wie ich Momente, wie diese hier schätze“ sage ich, langsam ein bisschen Alkohol-Emotional. Ich komme gerade von einer Luxusreise. Champagner und Trüffelpaste zum Frühstück und das jeden Morgen. 5 Sterne und 24 Stunden Service und nun sitze ich vor dieser abgefuckten Pommesbude mit der schrillen Leuchtreklame und freue mich über meinen derzeitigen Zustand. Tschüss Social Media, Fotoapparat und Dauerpräsenz. Wir haben kein einziges Selfie gemacht. Nicht schlimm, ich werde mich auch so erinnern.

Das klingt auf den ersten Blick irgendwie seltsam – weil diese Zeit zwischen diesen Reisen wie eine Überbrückung klingen mag. Wie die Zeit, in der ich mich auf das nächste Hoch vorbereite und mit irgendwas meine Zeit verschwenden muss. In Wirklichkeit bin ich in diesen Momenten so zufrieden mit der Welt, weil ich mich angekommen fühle. Weil ich einfach ich sein kann. Peinlich und unüberlegt und bei alten Freunden.

„im Grunde ist alles immer noch genauso wie früher“ und langsam erinnere ich mich. Ich bin in der Heimat und treffe auf einem Geburtstag Menschen, die ich seit fast 10 Jahren nicht mehr gesehen habe und plötzlich ist alles wie immer. Weil wir uns vergessen und einfach für den Moment Spaß haben. Lachen, feiern, spontan in den Kanal springen. Als hätte sich nie etwas geändert und als hätte es all die Jahre dazwischen nie gegeben.

Und während ich mich über jede Reise und jedes neuentdeckte Land freue und diese Erfahrungen nie vergessen werde, werde ich es nie schaffen, sie mit den Imbissbuden-Momenten zu vergleichen. Weil diese langen Nächte mit den schlechtesten Shots Tage sind, die ich für kein Luxushotel eintauschen wollen würde. Cheers!

sell your soul and become famous

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Ich hab den Text gerade ein drittes mal geschrieben. Weil er die ersten zwei male so krass und impulsiv war, dass ich dachte, ich kann das so nicht veröffentlichen. Und weil ich nie weiß, wie ich überhaupt beginnen soll. Ich weiß, dass es viele Blogs gibt, die sehr viel privater und emotionaler sind als meiner. Da geht es darum Emotionen zu wecken und das ist irgendwie spannend, weil man sich als Leser so voyeuristisch fühlt. Mir fällt das ein bisschen schwerer – zum einen weil man sich damit angreifbar macht und zum anderen, weil das irgendwie nicht so zu meiner Art passt. ich bin eigentlich gar nicht der Mensch, der Emotionen so an sich ranlässt. Ich bin nicht verbissen ehrgeizig und nicht furchtbar romantisch. Ehrlich gesagt bin ich ziemlich rational aber trotzdem gibt es Nächte, an denen ich wach liege und nicht einschlafen kann.

Manchmal fühle ich mich wirklich schlecht, weil ich das Gefühl habe, ich müsste meine Seele verkaufen, um besser zu werden. Weil diese ganze Welt um mich herum immer weiter wächst und sich immer wichtiger nimmt, furchtbar High End wird und die Leute immer cooler wirken und ich hier nach wie vor hocke und schöne Wandbilder für das Wohnzimmer raussuche, einfach weil ich persönlich sie ultra cool finde. Um mich herum betont jeder, wie menschlich und emotional er ist und bei der Hälfte glaube ich kein Wort mehr. Menschen, die irgendwie einen Schalter umdrehen und zu ganz anderen Persönlichkeiten werden, sobald der Scheinwerfer auf sie gerichtet wird. Aber irgendwie scheint diese Masche zu klappen und in mir kommen so bescheuerte Gedanken hoch wie „Jana, du musst einen auf cool machen und so tun, als würdest du best friend mit einer menge fancy Leute sein“ oder „Jana, du solltest nur noch fancy Sachen tragen, die arschteuer sind, weil sie zwar keinen Deut besser sind, es aber cooler wirkt, wenn du nur Superdesigner trägst“ für die ich mich am liebsten selbst ohrfeigen möchte.

Der kleinste Gedanke daran, dass ich mir ein anderes Image aufbauen müsste, ist so bescheuert, dass ich manchmal richtig wütend auf mich selbst bin. Oder sich einen passenden Umkreis aufbauen – mal ernsthaft, ich suche mir meine Freunde doch nicht danach aus, wie viele Instagram-Follower sie haben, wen sie alles kennen oder wie oft sie im Fernsehen waren? Meine Freunde sind Lehrer, Handwerker oder irgendwas langweiliges mit Wirtschaft – mir ganz egal, solange sie echte, aufrichtige, tolle Menschen sind die für mich da sind, wenn ich sie brauche. Und deswegen klammer ich mich wie irre an meine Wurzeln. Ich habe durch das Bloggen tolle Menschen kennen gelernt, aber ohne diese Momente und Menschen, bei denen es nicht darum geht, wie viele Instagram Follower man hat oder das perfekte Selfie mit einer random bekannten Person zu schießen, auf möglichst großen Seiten gefeatured zu werden und nach Außen hin ein möglichst glamourösen Lifestyle zu führen, würde ich durchdrehen. Ganz normale Menschen, denn so sehe ich mich eigentlich auch – als ganz normaler Mensch.

Leni und ich gucken House of Cards und irgendwann fragt sie mich „Ey Jana, wieso sind die eigentlich so Karrieregeil? Der ist doch schon Präsident und die haben doch schon jeden Scheiß, was wollen die mit noch mehr?“ und ich hatte keine Ahnung. Die Serie ist mir eh so suspekt.

Ich hoffe ihr wisst, dass das alles Inszenierung ist. Das Leben von niemandem ist so schön wie eine Instagram-Timeline. Und nach der Show geben alle Blogger brav ihre Markensachen zurück. Viele verbringen mehr Zeit im Zug und im Flugzeug als an schönen Orten und die Suite in der wir Fotos machen muss noch lange nicht uns gehören. Wer viel reist hat es meistens nicht geschafft, sondern ist entweder ziemlich rastlos oder versucht dadurch bekannter zu werden. Wenn du nicht gerade Chiara heißt, muss reisen nicht unbedingt Luxus bedeuten, besonders wenn du wahllos jedes Angebot annimmst. Wenn ich ein Foto von der Wohnung mache, ist es in der anderen Ecke meist furchtbar rummelig und ich zeige euch auch nicht, wie ich am Wochenende in irgendeinem Keller feiere und auf alles scheiße, was schön und fancy ist. Die Pommes um die Ecke, der Wäschekorb, der überquillt, die Gammeltage auf der Couch… Auch ich versuche die schönen Seiten festzuhalten.

Diese Verunsicherung ist übrigens ziemlich neu für mich. Normalerweise bringt mich sehr wenig aus der Ruhe, aber ich merke, wie sich diese Leichtigkeit, mit der ich die letzten Jahre so gebloggt habe irgendwie mit einem bitteren Nebengeschmack vermengt hat, weil ich dieses verbissene Streben nach Erfolg so oft mitbekomme, dass ich mich irgendwann in einem schwachen Moment gefragt habe, ob ich da irgendwie aufspringen muss. Gott, ich habe mir ernsthaft darüber Gedanken gemacht, dass ich nie Haterkommentare bekomme und das vielleicht ein Zeichen dafür ist, dass ich zu langweilig bin, anstatt einfach dankbar zu sein, dass ihr immer so nett und diplomatisch mit mir seid.

Die große Frage ist ja eigentlich, zu was ich bereit bin für ein bisschen Fame. Manche Leute sind so furchtbar berechnend. Der ganze Blog ist tatsächlich einfach nur eine Marke. Das ist knallhartes und durchgeplantes Branding und jedes mal, wenn ich denke die Leser müssen doch spätestens jetzt merken dass das nicht mehr echt ist, werden diese Menschen gefeiert. Vielleicht denke ich das auch nur, weil ich selbst in diesem Mikrokosmos lebe und weiß, dass dieses scheinbar liebe, süße Mädchen nicht einfach mich persönlich angegangen hat, sondern meine Freunde beleidigt hat, was um einiges schlimmer ist. Ich kann das alles nicht, denn ich bin diejenige, die bei Shows am Rand steht und beobachtet, wie die anderen auf und ab stolzieren, um von irgendwen fotografiert zu werden und sich dabei schämt. Meine Hemmschwelle liegt da leider nicht so niedrig, wie es von dem gemeinen Blogger mittlerweile erwartet wird. Klar versuche ich mich zu verbessern. Aber ich habe irgendwie Angst bekommen, dass ich eines Tages auch einfach mich selbst verlieren werde. Und meine Prinzipien… Jemandem ins Gesicht lächeln, der absolut überheblich und falsch ist, nur weil er vielleicht irgendwo wichtig ist oder nützlich sein könnte? Bitte bitte nicht. Jeder wird zum Einzelkämpfer, Links zu anderen Bloggern setzen ist kontraproduktiv – ich glaube ich war einer der letzten Blogger, die noch eine Blogroll hatten, bis ich irgendwann selbst dachte ‘ach fuck it’. Ich hatte einfach keinen Bock mehr, die einzige Dumme zu sein, die immer ihre Lieblingsblogs verlinkt.

Das Einzige, was mich wirklich ungemein beruhigt, ist, dass all diese supercoolen fancy Leute nicht meine Leser sind, sondern einfach ihr und ihr seid zum Glück über die Jahre noch nicht in kleine obercoole, wichtige Karrieremenschen verwandelt. Zumindest nicht merklich. Ich weiß auch nicht, wieso ich euch das jetzt genau schreibe. Ich glaube diese Oberflächlichkeit und knallharte Berechnung machen mich manchmal ein bisschen k.o. Irgendwie muss man in dieser Branche aufpassen, sich nicht selbst zu verlieren. Aber jetzt geht’s schon wieder. ;)

monday update kw52

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Gedanken: Vielleicht habt ihr es gestern schon mitbekommen: Auf Twitter gab/gibt es einen riesigen Shitstorm. Youtube ist nochmal eine ganz andere Welt als unsere Blogger Blase. Da spielen ganz andere Menschen oben mit und von den meisten habe ich noch nie gehört. Irgendwie sieht man sich eher als Blogger oder eher als Youtuber. Auf jeden Fall gibt es da diesen Youtuber namens ‘Unge’, der gleich zwei Channels hat, mit einer beachtlichen Zahl an Abonnenten und Klicks. Und dann gibt es noch ein “Netzwerk”, bei uns Bloggern auch Agentur genannt, bei der dieser Youtuber unter Vertrag war. Dieses Netzwerk nennt sich Mediakraft und hat nicht den besten Ruf, weil man öfter mal hier und da ein paar Seitenhiebe von Youtubern mitbekommt. Allerdings hat sich da nie jemand so richtig getraut, etwas zu zu sagen und deswegen ist dieses Video, was Unge da gedreht hat so besonders. Da wird an der Agentur nämlich kein schönes Blatt gelassen. Daraufhin haben sich sämtliche Abonnenten und so ziemlich jeder, der auf irgendwelchen sozialen Netzwerken etwas mitbekommen hat, eingeklinkt und einen riesigen Shitstorm ausgelöst. Sucht man bei Twitter nach dem Begriff ‘Mediakraft’ liest man die krassesten Tweets. Der Instagram Account komplett vollgespammt mit dem Hashtag #freiheit und krassen Beleidigungen. Was ich an der Geschichte so interessant finde: Es ist wirklich krass, wie Menschen tagtäglich von irgendwelchen dubiosen Unternehmen verarscht werden und es ist im Grunde völlig egal, weil das meiste an Beschwerden eh untergeht. Sich mit einem Youtuber in dieser Größenordnung anzulegen ist wohl das unschlauste, was man machen kann. Hier findet ihr übrigens das Statement von Mediakraft, mit der man sich ziemlich viel Zeit gelassen hat. Da hätte ich echt mehr erwartet und beim zweiten mal durchlesen klingt es noch dämlicher – “nicht einseitig” kann man den Vertrag auflösen, damit wohl aber beidseitig. Damit haben sie doch selbst verraten, dass die ganze Geschichte ihre Schuld ist.

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